„Wir gehören alle zusammen“
Demokratie braucht Inklusion
– so lautet das Leitmotiv von Jürgen Dusel, dem Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen. Wie wichtig ihm dieses Anliegen ist, zeigte sich bei seinem Besuch der Nikolauspflege in Stuttgart.
Mit großem Interesse besuchte Dusel zunächst das Berufsbildungswerk Stuttgart. „Wir freuen uns sehr, dass wir durch das Projekt „Wege in den Beruf“ nun auch berufliche Bildungsangebote für Menschen mit Taubblindheit oder Hörsehbehinderung anbieten können“, erklärte Roland Flaig, Vorstand der Nikolauspflege. Im Gespräch mit den Teilnehmenden des Berufsbildungswerks fragte Jürgen Dusel sie nach ihren Zielen und Wünschen. Sehr persönlich berichtete er auch von eigenen Erfahrungen. „Lassen Sie sich nicht entmutigen. Sie machen Ihren Weg“, sagte er einem Teilnehmenden.
Im neuen Schulhaus für das Betty-Hirsch-Schulzentrum zeigte sich Jürgen Dusel beeindruckt: von der hervorragenden Akustik, der Barrierefreiheit und der positiven Atmosphäre. „In so eine barrierefreie Schule wäre ich auch gerne gegangen“, sagte er. Bei einer Führung ließ er sich Unterrichtsmaterialien wie 3-D-Modelle aus der Geometrie und Trigonometrie zeigen und kam mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch. Er bestärkte eine Schülerin in ihrem Wunsch, nach dem Hauptschulabschluss weitere Schulabschlüsse zu absolvieren. Für einen sehenden Schüler, der künftig als Zugbegleiter arbeiten wird, hatte er besondere Worte: Durch seine Zeit im Betty-Hirsch-Schulzentrum könne er blinde und sehbehinderte Fahrgäste künftig auf ganz andere Weise unterstützen. „Das ist der richtige Weg – wir gehören alle zusammen. Deine Erfahrung hat nicht nur eine soziale Dimension, sondern ist ein Vorbild für gesellschaftliche Inklusion.“
Auf die Frage nach Barrieren im Alltag berichteten die Schülerinnen und Schüler von ihren Erfahrungen: von E-Scootern auf Gehwegen, schlecht zugänglichen digitalen Plattformen, Barrieren in den Köpfen – etwa durch Unsicherheit, Schweigen oder gut gemeinte, aber unangemessene Hilfestellungen, wenn sie ungefragt über die Straße gezogen werden.
Zum Abschluss tauschten sich Anne Reichmann, Vorstandsvorsitzende, und Roland Flaig, Vorstand der Nikolauspflege, mit Jürgen Dusel aus. Themen waren die hohe Expertise und Multiprofessionalität innerhalb der Einrichtungen, die Bedeutung durchlässiger Schulformen und Übergänge sowie der Anspruch, stets kritisch zu reflektieren. „Wir möchten unser Wissen weitergeben, Vorbild sein und gleichzeitig weiter lernen und uns verbessern“, betonte Reichmann.
„Es braucht Menschen, die fördern, unterstützen und Chancen schaffen. Die Rechtslage allein reicht dafür nicht aus“, fasste Jürgen Dusel zum Ende seines Besuchs zusammen. Er freue sich auf weitere Gelegenheiten zum Austausch und zur Begegnung.





