Die Nikolauspflege schafft mit dem neuen Schul-Campus eine optimale Infrastruktur für barrierefreies Lernen und Inklusion. Kinder mit und ohne Sehbehinderung sowie Kinder mit mehreren Beeinträchtigungen profitieren nachhaltig von den neuen Räumlichkeiten.

Das Pausen-Foyer

Morgens, wenn die Schülerinnen und Schüler ankommen, in den Pausen oder bevor sie wieder abgeholt werden: Im Foyer des neuen Schulgebäudes beginnt und endet der Schulalltag. Hier verbringen die Klassen ihre freie Zeit. Das säulenfreie Pausen-Foyer erleichtert den Schulalltag und macht das Schulleben lebendig. Denn im Raum stehende Säulen bergen ein erhöhtes Verletzungsrisiko. Blinde und sehbehinderte Kinder müssen ständig auf der Hut vor Zusammenstößen sein. Ohne störende Stützen im Raum können sich blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler angstfrei bewegen. So ist es allen Kindern möglich, gemeinsam zu spielen, ein positives Miteinander zu erleben und Freundschaften zu schließen.

Ich freue mich, wenn wir endlich einen Pausenraum haben, wo nichts im Weg ist und ich richtig toben kann.


Blindes Kind, acht Jahre alt

Die Sporthalle

Die neue Sporthalle auf dem Schul-Campus bringt Schülerinnen und Schüler in Bewegung - egal, ob mit oder ohne Sehbehinderung und anderen Handicaps. Die Wege in der Halle sind barrierefrei und rollstuhlgerecht angelegt, wie auch die Umkleiden und Toiletten. Eine reizarme Raumakustik stellt sicher, dass Kinder, die blind sind oder eine Sehbehinderung haben, sich mit Hilfe ihres Gehörs orientieren können. Das helle Beleuchtungssystem macht es möglich, mit Farbkontrasten zu arbeiten. Die Bodenmarkierungen sind gut sichtbar und erleichtern die Orientierung.

Eigenständig Runden drehen

Dank einer Unterkonstruktion im Boden entlang der Hallenwand, die akustisch Rückmeldung gibt, können blinde Schülerinnen und Schülern eigenständig Runden in der Halle drehen, ohne sich an der Wand entlang tasten zu müssen. Die neue Halle bietet ausreichend Platz – für Rhönräder sowie für rollstuhlgerechte Turn- und Sportgeräte. Direkt von der Sporthalle aus geht es zur Außenfläche. So können auch blinde und stark sehbehinderte Kinder das Gefühl von Sport im Freien erleben.

Platz für alle

Abschlussfeiern, Konzert der Schulband, Vorträge oder Theateraufführungen: In der neuen Sporthalle können große Veranstaltungen stattfinden für Menschen mit und ohne Behinderungen. Inklusive Sportprojekte mit anderen Schulen in Stuttgart sind hier ebenfalls möglich. Und abends können unterschiedliche Gruppen die Sporthalle nutzen.

Die Fachräume und Klassenzimmer

Alle Klassenzimmer im neuen Schulhaus erhalten eine einheitliche Struktur, was PC-Arbeitsplätze, Regale, Waschbecken oder Garderoben angeht. Dies erleichtert die Orientierung für blinde und sehbehinderte Kinder. Computer sind für den Schulalltag blinder und sehbehinderter Kinder besonders wichtig. Jeder blinden- und sehbehindertenspezifisch eingerichtete Arbeitsplatz benötigt sechs Steckdosen – und dies ohne Stolperfallen. Mit Hilfsmitteln wie die Braille-Wave, die jeden Text auch in Punktschrift lesbar macht, können wir den Kindern Inhalte auch schriftlich vermitteln.

Blendfrei und gut temperiert

Unsere Klassen- und Fachräume sind optimal für den Unterricht sehbehinderter und mehrfachbehinderter Kinder ausgestattet. Mit besonderen Lampen für die jeweils richtige und individuelle Beleuchtung des Arbeitsplatzes und einem Tafellesegerät. Alle Räume sind blendfrei, da Blendung bei sehbehinderten Menschen zu starken Schmerzen führen kann. Außerdem haben sie eine gute Raumakustik, verfügen über ein besonderes Kühlsystem und lassen sich verdunkeln. In einem völlig abgedunkelten Raum kann beispielsweise Sehförderung mit einzelnen ausgesuchten Lichtquellen stattfinden. Die speziellen Klimaanlagen sind ideal für die infektanfälligen Kinder mit mehreren Beeinträchtigungen, die ihre Temperatur nicht selbst regulieren können.

 

Die Toiletten

Das neue Schulhaus besuchen viele Kinder, die sich mit dem Rollstuhl fortbewegen. Gleichberechtigung und Teilhabe bedeutet hier: Die Toiletten sind Toiletten für alle. Ein barrierefreies WC wird sich bei den herkömmlichen Toiletten befinden. Eine Tür führt in den Toilettenbereich, der nach Jungen und Mädchen getrennt ist, aber nicht nach Rollstuhlfahrenden und Gehenden. Im neue Schulhaus sind 18 Sanitärräume untergebracht, die alle für sehbehinderte Schülerinnen und Schüler mit besonderen Kontrasten ausgestattet sind, um die Orientierung zu erleichtern.