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Ein SSB Bus parkt bei der Nikolauspflege

Zischendes, klackendes Gefährt

06.12.2018

So ein Linienbus ist echt groß. Ein kleiner Junge mit knallgelber Warnweste fährt mit seinem Langstock hoch und höher. Immer noch kein Ende. Eine Erzieherin muss den Jungen nach oben lupfen – erst dann kann er das Dach des Busses ertasten. Die anderen Nikolinos, die ebenfalls den inklusiven Kindergarten der Nikolauspflege besuchen, freuen sich währenddessen über die zischenden Türen, die auf- und zuschnappen und die Fahrscheine, die mit einem feinen Klacken ausgespuckt werden. Busfahrer Manuel Paule lässt sie sogar auf seinen Platz sitzen und das Lenkrad halten. Das ist alles völlig stressfrei, denn der Bus steht. Und das schon seit mehreren Stunden. Manuel Paule bildet normalerweise als Lehrer der SSB-Fahrschule neue Personenbeförderer aus. Am 4. Dezember hat er einen Linienbus bei der Nikolauspflege am Kräherwald abgestellt und übt mit blinden, seh- und gehbehinderten jungen Menschen, wie sie am besten ein- und aussteigen und sich im Fahrzeug zurechtfinden.

Die Idee zum Erlebnisunterricht hatte Ursula Sperrer-Kniep vom Fachdienst Orientierung und Mobilität. „Ein blindes Kind kann nicht beobachten, was vor sich geht“, sagt sie. Deshalb stehe heute das Erkunden eines Busses mit viel Zeit und Ruhe im Vordergrund. Denn auch für erwachsene blinde Menschen sei es schwierig, sich im Bus zu orientieren, sagt sie. Hindernisse wie Haltestangen oder Passagiere mit Gepäck versperren den Weg. Und falls Haltestellen nicht ausgerufen werden, müssen sich Fahrgäste, die sehr schlecht oder gar nicht sehen können, die Fahrbewegungen merken, um den richtigen Ort zum Aussteigen zu finden. Die Sprachansagen in Stuttgart seien glücklicherweise vorbildlich. „Das ist aber nicht in allen Städten so“, sagt Ursula Sperrer-Kniep.

Einsteigen – ganz ohne Stress

Konkrete Fragen haben die angehenden Fachpraktiker für Bürokommunikation, die mit ihrer Lehrerin Regina Kleinhenz vor der zweiten Bustür stehen. „In Ludwigsburg kann man eine Rampe per Knopfdruck ausfahren. Ist das in Stuttgart auch geplant?“, möchte eine junge Frau wissen. Manuel Paule verneint. Denn manuelle Rampen seien weniger anfällig für Störungen als die elektrisch betriebenen. Er empfiehlt Menschen mit Rollstühlen oder Rollatoren, immer vorne beim Busfahrer Bescheid zu geben und an der zweiten Einsteigetür den untersten Knopf zu drücken. „Die Tür geht dann nicht mehr von alleine zu“, so Paule. Falls der Busfahrer zu beschäftigt sei, sollten die Fahrgäste helfen, von außen die Rampe herunterzuklappen. Eine Auszubildende überlegt, ob die Rampe einen E-Rolli aushält. „Ja, mit 350 Kilo ist sie belastbar“, sagt Manuel Paul. Somit auch für große, schwere Rollstühle geeignet.

Manuel Paule hat noch ein paar Tipps für die Gruppe von der Nikolauspflege. Blinde Fahrgäste sollten am besten vorne einsteigen und dem Busfahrer sagen, wo sie aussteigen möchten, so Paule. Wenn Falschparker an der Haltestelle stehen oder es andere Barrieren gibt, können er und seine Kolleginnen und Kollegen besser reagieren. Sein Fazit: „Für uns ist es immer gut, wenn man miteinander schwätzt.“