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Landesbehindertenbeauftragte Stephanie Aeffner bei der Nikolauspflege am Kräherwald

Landesbehindertenbeauftragte Stephanie Aeffner besucht Nikolauspflege

22.06.2017

Baden-Württembergs Behindertenbeauftragte ist 41 Jahre alt und seit September 2016 im Amt. Besondere Aufmerksamkeit erfährt die studierte Sozialpädagogin nicht allein wegen der Entschiedenheit, mit der sie ihre Positionen vertritt, sondern weil sie dabei als Nutzerin eines Rollstuhls direkt für Menschen mit Behinderungen spricht. Am 21. Juni nahm Aeffner sich Zeit für ein Kennenlernen der Stuttgarter Nikolauspflege am Kräherwald und der neuen Wohn- und Förderstätte für Erwachsene „Haus am Schloss“ im Stadtteil Stammheim.

„Ich finde es spannend, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen“, sagt Stephanie Aeffner. Dabei erlebt sie oft, dass die Leute erst einmal Anlaufschwierigkeiten haben, unverkrampft mit ihr in Kontakt zu treten, seit sie das Amt der Landesbehindertenbeauftragten bekleidet. Nicht so bei der Nikolauspflege. „Vom Kindergarten über die Schulen bis zum Ausbildungsbereich: Von allen wurde gefragt!“ Und es hätte noch reichlich Stoff gegeben, wenn die Zeit es erlaubt hätte. Zumal Aeffner in ihrer unerschrockenen und schlagfertigen Art viele Anregungen zum Nachdenken lieferte.

„Ich will einen Markt schaffen, der von der Nachfrage bestimmt ist.“

Aeffner will keine besonderen Schonräume, sondern Gleichbehandlung, wo immer es geht. So energisch sie einerseits an die Eigenverantwortlichkeit der Betroffenen appelliert, so energisch spricht sie sich anderseits dafür aus, dass Menschen mit Behinderungen unabhängig von Art und Schwere der Einschränkung durch qualifizierte Beratung dazu befähigt werden, ihre Rechte geltend zu machen.

Viel ist von Visionen die Rede an diesem Tag: Von gut ausgebauten, landesweit vernetzten Beratungsstellen, einer „Multibeteiligung“ der Akteure im politischen System, einer Bedarfsermittlung, die ausreichend finanziert ist und nicht unterschiedliche Ebenen und Gruppen gegeneinander ausspielt, verbindlichen Kriterien für eine landesweite Steuerung, die ressourcenorientiert und nicht schädigungsbezogen begründet ist.

„Es darf nicht davon abhängen, in welchem Kreis ich lebe, ob ich Hilfe bekomme.“

„Was können wir als Einrichtung dazu beitragen, dass diese Vision Wirklichkeit wird?“, lautet die abschließende Frage des Vorstandsvorsitzenden Dieter Feser. „Beteiligungsmöglichkeiten nutzen und gemeinsam auftreten.“ Dann, glaubt Aeffner, dürfte es der Politik schwer fallen, die Forderungen nach echter Teilhabe und Chancengleichheit zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen zu ignorieren.