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Ein Tag als Bürstenmacherin

30.11.2016

Das Haus des Blindenhandwerks ist mit seiner Besen- und Bürstenwerkstatt in der Spielstadt Stutengarten kaum noch wegzudenken. Hier können Kinder selbst kleine Bürsten anfertigen und verkaufen und dabei mit echten Blindenhandwerkern in Kontakt kommen.

Die Kinderspielstadt Stutengarten findet dieses Jahr zum zehnten Mal im Reitstadion Bad Cannstatt statt. Für drei Wochen entsteht dort in den Sommerferien eine kleine eigene Welt. Kinder können „arbeiten“, in verschiedene Berufe hereinschnuppern und „Stuggis“ verdienen, die sich anschließend in zahlreichen kleinen Läden ausgeben lassen. Das Haus des Blindenhandwerks ist von Anfang an dabei und ein lukrativer Arbeitgeber. Sechs Plätze gibt es pro Schicht zu vergeben. Eine selbst hergestellte Bürste darf gratis mitgenommen werden, die anderen werden verkauft.

So richtig mit Profis arbeiten.

Jedes Kind hat einen eigenen Arbeitsplatz mit Maschine. Die einzelnen Borsten, in unserem Fall aus Plastik, werden in diese hineingefüllt. Verschiedene Farben stehen zur Auswahl, auch mischen kann man nach Belieben – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Per Fußpedal wird eine kleine gebündelte Portion Borsten herausgegeben. Man nimmt den Holzrohling und schiebt eine Drahtlasche durch ein Loch. Nun werden die Borsten in die Lasche hineingelegt und kräftig gezogen, so dass die Borsten in der Mitte knicken und im Loch fest sitzen. Zum Schluss bekleben die Kinder die Rückseite der Bürste mit Stickern oder bemalen und beschriften sie.

Hilde Grimm ist seit zehn Jahren die Leiterin des Standes. Sie erhält Hilfe von den Gymnasiastinnen Clara und Anne. Zu dritt stehen sie den Kindern tatkräftig zur Seite, erklären und helfen bei Problemen. Wenn Hilde Zeit hat, fertigt sie blitzschnell auch eigene Bürsten an. „Die Hilde ist so schnell! Die hat in zwei Sekunden die halbe Bürste fertig gemacht“, flüstert mir die neunjährige Holly ins Ohr.

Ganz natürlich und sehr hilfsbereit.

Doch die Kinder lernen mehr als nur Bürsten herzustellen. Für viele ist es das erste Mal, einem Menschen mit Sehbehinderung näher zu begegnen. „Die Kinder sind fast immer brav“, sagt Hilde zufrieden. Sie gehen ganz natürlich mit ihrer Behinderung um und sind sehr hilfsbereit.

Nadine Ghiba, Praktikantin Bereich Unternehmenskommunikation