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Training mit dem Blindenstock

Der VfB zu Besuch bei der Nikolauspflege

Die jungen Fußballer lernen die Nikolauspflege kennen und erfahren, was es bedeutet mit einer Seheinschränkung zu leben

07.03.2019

Sportgeist trifft Langstock und Simulationsbrille

Heute ist ein besonderer Tag für die Jugendlichen der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme der Nikolauspflege in Stuttgart. Denn um 13.45 Uhr kommt die Jugendgruppe des VfB mit ihren Trainern zu Besuch. Eine Stunde vor der Ankunft sitzen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit den Gruppenleitern zusammen und gehen das Programm für den Nachmittag durch. Letzte Details für die Vorbereitungen werden genau besprochen und Aufgaben verteilt. Wer behält die Zeit im Blick, wer ist für den Küchendienst zuständig – Jeder ist an der Mitgestaltung des Programmes beteiligt. Die Zeit vergeht wie im Flug und einigen ist die Aufregung schon anzusehen.

Um 13.55 Uhr klingelt das Telefon, der Besuch ist endlich eingetroffen und wartet am Infopunkt im Haupteingang. Zwei BvB-Teilnehmer machen sich auf den Weg um die Gäste zu Begrüßen. Alle anderen haben sich in der Zwischenzeit rechts und links im Klassenraum in zwei Reihen aufgestellt. Als die jungen Fußballer eintreten gibt es ein freudiges Willkommen. Wie es auch im Fußball üblich ist, begrüßen sich alle mit einem freundschaftlichen Handschlag.

Als alle an den Tischen Platz genommen haben, stellen zwei BvB-Teilnehmer ihre Gruppe und die Bildungsmaßnahme vor. Im Anschluss daran wird der kurze  Film „Zwischen Sehen und nicht Sehen“ gezeigt, in dem die Hauptformen von Sehbehinderungen erklärt werden, wie etwa die Farbenblindheit oder die starke Lichtempfindlichkeit. Dabei sind alle im Raum  ganz still und aufmerksam. Und nach der Theorie geht es auch gleich in die Praxis. Die VfB-Jungs bilden zweier Teams und bekommen einen Ablaufplan mit Aufgaben, die sie in der nächsten Stunde an verschiedenen Stationen erfüllen müssen.

Fühlen, Fühlen, Fühlen

Die Aufgaben wirken zunächst kinderleicht, Zahlen mit Wasserfarben ausmalen, Legosteine zusammenstecken, ein Fisch aus einer Holzplatte herausfeilen. Die große Herausforderung dabei ist aber, dass alles entweder mit verbundenen Augen oder mit Simulationsbrillen, die starke Sehbeeinträchtigungen nachstellen, gemeistert werden müssen. In den vier Räumen mit den Stationen kommt Bewegung rein. „Nicht, schauen – Fühlen!“  - Die Jugendlichen des VfB merken schnell, dass vieles gar nicht mehr so leicht ist, wenn man nichts mehr sieht. BvB-Teilnehmer sind an den Stationen verteilt um die Aufgaben zu erklären und können ihre Tricks und Fähigkeiten vermitteln.

Nach dieser ersten Erfahrung werden die VfB-Jungs in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe bekommt von der Orientierungs- und Mobilitätstrainerin der Nikolauspflege ein Langstocktraining, während die andere Gruppe eine Essenspause einlegen darf, selbstverständlich auch mit verbundenen Augen. Während sich beim Laufen Langstöcke ineinander verhaken und man sich langsam durch die Gänge des Schulgebäudes tastet, wird beim Essen Milch verschüttet, Zucker mit Kakao verwechselt und der Honig löst sich plötzlich in Luft auf.

Am Ende eines, für alle ereignisreichen Tages sind alle erschöpft und doch glücklich. Beide Seiten haben heute viel voneinander gelernt und nehmen wertvolle Erfahrungen mit. Das Interesse weiter in Kontakt zu bleiben ist groß, bald darf die BvB den VfB bei einem Fußballspiel besuchen.