GaViD-Sinne

Mit dem Projekt GaViD-Sinne (Ganzheitliche Versorgungsstützpunkte und interdisziplinäre Diagnostik für Menschen mit Hörsehbehinderung/Taubblindheit) entsteht ein bundesweit einmaliges Angebot zur Verbesserung der Versorgung und gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen beider Fernsinne. Ziel des Projekts ist es, die medizinische Versorgung sowie die gesundheitliche Lebensqualität von Menschen mit Taubblindheit oder Hörsehbehinderung deutlich zu verbessern. Viele Betroffene bleiben bislang unerkannt oder sind medizinisch nicht ausreichend versorgt. 

Das vom Deutschen Taubblindenwerk initiierte und gemeinsam mit den Projektpartnern Nikolauspflege – Stiftung für blinde und sehbehinderte Menschen und Blindeninstitutsstiftung sowie weiteren Konsortialpartnern entwickelte Projekt GaViD-Sinne will diese Versorgungslücken durch den Aufbau von vier spezialisierten Diagnostik- und Versorgungsstützpunkten (DVSP) schließen. Diese entstehen im Jahr 2025 an den Standorten Hannover, Berlin, Stuttgart/Tübingen und Würzburg in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Universitätskliniken. Gesetzlich versicherte Menschen mit doppelter Sinnesbeeinträchtigung finden in den DVSP individuelle Diagnose- und Unterstützungsangebote, die interdisziplinär abgestimmt sind. Diese richten sich an alle Altersgruppen, sind kostenfrei und erfordern keine Überweisung durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte. Schwerpunkte liegen in den Bereichen Sehen, Hören und Kommunikation. Darüber hinaus erfolgt eine umfassende Beratung zu geeigneten Hilfsmitteln und passgenauen Unterstützungsmöglichkeiten. 

Langfristig sollen die Leistungen der DVSP in die medizinische Regelversorgung der Krankenkassen überführt werden. Um dies zu ermöglichen, wird das Projekt durch eine wissenschaftliche Studie begleitet. Diese Evaluationsstudie erfolgt durch die Sektion Versorgung- und Rehabilitationsforschung (SEVERA) an der Universität Freiburg. Insgesamt werden hierbei 400 Personen einbezogen, um die Wirksamkeit der neuen Versorgungsform fundiert zu untersuchen. 

Das Projekt läuft über drei Jahre (September 2024 bis August 2027) und wird mit rund 5,8 Millionen Euro durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (Kennzeichen: 01NVF23101) gefördert. Neben dem Deutschen Taubblindenwerk, der Nikolauspflege und der Blindeninstitutsstiftung engagieren sich vier Universitätskliniken (Charité Berlin, Medizinische Hochschule Hannover, Tübingen und Würzburg), die AOKWürttemberg, der Verein Leben mit Usher e.V., die DAK sowie weitere Partner für das richtungsweisende Projekt.

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