In Kontakt bleiben

Simone Fischer, die Beauftragte der Stadt Stuttgart für die Belange von Menschen mit Behinderung, hat die Nikolauspflege besucht. Und sie kam nicht allein: Sie brachte vier Musiker der Stuttgarter Philharmoniker mit, die auf der Terrasse der Nikolauspflege am Kräherwald spielten. Die Klänge erfreuten die anwesenden Schülerinnen und Schüler vom Haus am Dornbuschweg, die Auszubildenden von Tilly-Lahnstein-Schule und Berufsbildungswerk und die anwesenden Mitarbeitenden. Für sie war die Musik eine willkommene Abwechslung in der sonst oft so stillen Corona-Zeit. „Ich möchte, dass wir in Kontakt bleiben“, erklärte Simone Fischer den Anlass ihres Besuchs. Auch sie selbst vermisse in diesen Tagen die kulturellen Erlebnisse und freue sich, mit den Stuttgarter Philharmonikern Musik live erleben zu können.

Wie geht es blinden und sehbehinderten Azubis in der Corona-Zeit?

Aber nicht nur zum Musizieren, auch zum Diskutieren war Simone Fischer gekommen. Im Garten tauschte sie sich anschließend mit blinden und sehbehinderten jungen Auszubildenden der Nikolauspflege über ihre Erfahrungen der letzten Wochen aus. „Mir ist es wichtig, dass gerade in diesen Zeiten die Belange von Menschen mit Behinderung nicht aus dem Blick geraten“, sagte Fischer. „Nur durch Gespräche kann ich das, was ihnen wichtig ist, auch weiterhin eingeben.“

Bahnhofsmission stellt Angebot ein

Die Auszubildenden berichteten Simone Fischer, wie schwierig die vergangenen Wochen teilweise für sie waren. Sie vermissen es, Freunde zu sehen, die Masken sind häufig störend, weil die Brillengläser beschlagen, die sehende Begleitung ist ohne Körperkontakt kaum möglich. Auch hier erschweren die Corona-Beschränkungen den Alltag. Simone Fischer zeigte Verständnis. Aber wenn es hilft, das Virus einzudämmen, ist es natürlich wichtig, dass alle einen Beitrag leisten. Björn Hoffmann, der Leiter des Bereichs „Leben und Wohnen“ der Nikolauspflege, berichtete vom Wegfall der Dienste der Bahnhofsmission in Stuttgart. Diesen Dienst, den Ehrenamtliche leisten, nehmen blinde und sehbehinderte Menschen für Reisen gerne in Anspruch und macht eigenständiges Reisen für sie häufig erst möglich. Der Ausfall bringt die Auszubildenden, die regelmäßig nach Hause reisen, in eine schwierige Lage. Die Fahrten müssen nun anders organisiert werden.

Barrieren im Alltag abbauen – und gar nicht erst entstehen lassen

Im weiteren Gespräch ging es um Barrieren für blinde und sehbehinderte Menschen, die eigentlich keine sein müssten. Wie etwa Schilder in Aufzügen von öffentlichen Gebäuden ohne Punktschrift, fehlende Barrierefreiheit in Amtsschreiben, die nicht alleine ausgelesen werden können, Leitlinien, die nicht freigehalten werden. „Es gibt viele Dinge, die einfach zu lösen sind, man muss nur wissen, wie“, sagte Simone Fischer. Sie möchte das Bewusstsein bei den Menschen schärfen, so dass alle darauf achten, Barrieren gar nicht erst entstehen zu lassen. Die Schilderungen der Auszubildenden der Nikolauspflege und ein großes Dankeschön für ihren Besuch und ihre Zeit konnte sie so am Ende des Nachmittags mitnehmen.  

 

 

Die Stuttgarter Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung sitzt mit einem Mitarbeiter der Nikolauspflege an einem Tisch.
Vier Bläser der Stuttgarter Philharmoniker spielen auf der Plattform der Nikolauspflege.
Die Stuttgarter Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung sitzt mit zwei Personen der Nikolauspflege an einem Tisch.

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