Spiele geglückt - Barrierefreiheit noch ausbaufähig

Jannis: "Die neueren Bahnstationen sind für Rollstuhlfahrer durch Aufzüge gut erreichbar, auf alle Fälle durchgehend im Südosten Londons, dort, wo auch die (para)olympischen Wettkampfstätten sind. Im restlichen Londoner Subway- und Overground-Netz sind jedoch rollstuhlgerechte Zustiege deutlich dünner gesät. Für unsere Gruppe hieß das, dass wir nicht die direkt am Hotel liegende U-Bahn-Station nehmen konnten, sondern 15 Minuten zur nächsten barrierefreien Station und anschließend umsteigen mussten. Bis zum Olympiapark benötigten wir 1,5 bis 2 Stunden. Auf direktem Weg, also ohne rollstuhlgerechtem Umweg, war der Weg um 45 Minuten kürzer. Für Rollifahrer können vereinzelt hohe Bordsteine Probleme bereiten. 

Für Blinde oder hochgradig Sehbehinderte könnte es aus meiner Sicht ohne Begleitung teilweise größere Probleme in London geben. Nicht jede Fußgängerampel piepst, wenn sie auf Grün umschaltet. Sich an anderen Fußgängern zu orientieren ist lebensgefährlich! Dem englischen Fußgänger ist es gleichgültig, ob die Ampel rot oder grün anzeigt. Für ihn scheint der Weg immer frei. In London sagt man auch, ich zitiere: ,,Einen Touristen erkennt man daran, dass er bei Rot stehenbleibt".
Taktile Markierungen sind bei Bahnsteigen und teilweise größeren Straßenübergängen zu finden. Ein Gleiswechsel an einer Bahnhaltestelle kann aber schnell für einen Blinden zum Horror werden. Die Bahnstationen im Untergrund ähneln nicht selten einem komplexen Labyrinth. Hinweise für Blinde - Fehlanzeige. Für Sehbehinderte dürfte dies aber kein Problem sein. Der Weg zu jedem Gleis ist in großer Schrift, gut leserlich ausgeschrieben. 
Einfahrende Bahnen werden durch eine Ansage am Gleis angekündigt. In der Bahn selber gibt es jede Station eine weitere Durchsage, die darüber informiert, wohin die Bahn fährt und an welcher Station man sich befindet. Ist man lieber zu Fuß unterwegs als mit Bahn oder Bus, so könnten einen die vielen Pfosten auf dem Gehweg stören. Die Pfosten sind schwarz und somit bei Dunkelheit schlecht zu erkennen.
 
Wettkämpfe im Stadion konnten für einen Sehbehinderten dieses Jahr je nach Platz sehr anstrengend sein. Sichtentfernungen von 60 Metern und mehr zum Wettkampfaustragungsort waren leicht erreicht. Momentan gibt es leider vom Organisator der Paralympics noch keine Lösung hierfür. Vielleicht wird es in naher Zukunft extra Plätze in den vorderen Reihen für hochgradig Sehbehinderte geben. Blinde Zuschauer sollte selber entscheiden, ob ihnen die geringen Informationen des Kommentators reichen, um dafür ins Stadion zu gehen. 

Ein Ansatz für sehbehinderten- und blindengerechte Umstände ist gegeben: extra für blinde Menschen gibt es in den Sanitäranlagen eine separate Toilette. Blöd nur, dass der einzige Hinweis auf diese extra Toilette ein Bild ist, dass sich an der Toilettentür befindet. Es führen keine taktilen Markierungen dorthin."

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