Das Stuttgarter Kammerorchester und die Hirsch Band der Nikolauspflege
"Das ist der Anfang einer Tradition", so Max Wagner, geschäftsführender Intendant des Stuttgarter Kammerorchesters zu Beginn des gemeinsamen Auftritts mit der Hirsch Band am 4. Mai 2010 im Gemeindesaal der Erlöserkirche in Stuttgart. In der Tat wirkten die beiden unterschiedlichen Ensembles schon fast wie ein eingespieltes Team. Dabei war dies nach "Reite, reite Cowboy" erst das zweite gemeinsame Projekt der Profis mit den blinden und sehbehinderten Kindern und Jugendlichen der Betty-Hirsch-Schule.
2007 wurde die Band von Horst Tögel, dem Kopf der bekannten Brenz Band und Klaus-Dieter Schweizer von der Nikolauspflege, gegründet. Mit dem von Klaus-Dieter Schweizer und Dorotheé Thiele geschriebenen und von Schweizer und Anne-Barbara Ostermann arrangierten Stück wurde nun die musikalische Freundschaft fortgeführt. Wie viel Spaß es allen wieder gemacht hat, sah und hörte man von der ersten Minute an.
In "Lady Lilly und der Detektiv – eine diebische Liebesgeschichte" stellten die jungen Musiker der Nikolauspflege einmal mehr unter Beweis, wie virtuos, präzise und mit welcher Hingabe und Musikalität sie "nur" nach dem Gehör und ohne Noten zu spielen vermögen. Dies ist, was auch Chefdirigent Michael Hofstetter bei jeder Begegnung aufs Neue fasziniert. "Zu sehen und zu hören, wie sie mit allen Sinnen Musik erfahren und aufnehmen, wie sie sich öffnen und Musik wiedergeben, begeistert mich", so Michael Hofstetter. Und das nimmt man ihm wirklich ab, wenn man ihn beim Auftritt strahlen und dirigieren sieht.
Mit Witz und Charme wird die Geschichte eines älteren Paares im nebligen London musizierender- und singenderweise erzählt: Lady Lilly greift zu nicht ganz legalen Mitteln, um sich den Mann ihrer Träume zu angeln, der Krimis über alles liebt. Dabei kommt es natürlich zu allerlei aufregenden Situationen. Im lockeren und fröhlichen Zusammenspiel der beiden unterschiedlichen musikalischen Formationen wurde die Story hervorragend interpretiert und akzentuiert. Bei der rasant und abwechslungsreich inszenierten Aufführung mit neu interpretierten bekannten Titeln wie "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett", "Kriminaltango" oder hämmerndem Disco-Sound und geigenklingenden Schmachtfetzen zeigte die Hirsch Band wieder die ganze Bandbreite ihres Könnens. So konnte man das Stuttgarter Kammerorchester mit der Hirsch Band und den Klängen von Klarinette, Bass, Saxophon, Akkordeon, Cajun, Bongos und rhythmischen Spülbürsten erleben.
Erlebnisse dieser Art sind ein wichtiger Akzent der Arbeit des Kammerorchesters unter dem Chefdiri-genten und Experten für authentische Aufführungspraxis und Barocke Musik Michael Hofstetter. "Die Frische und Unvoreingenommenheit der Kinder, ohne falsche Scheu und unverkrampft mit der Musik und uns Musikern umzugehen, ist etwas Echtes und öffnet Herzen", so Hofstetter. Und unabhängig von alledem, so des Chefdirigenten Meinung: "Die Qualität der Hirsch Band ist einfach gut"!
Sabine Lebherz
Öffentlichkeitsarbeit, Haus am Dornbuschweg

