Das Magazin der Nikolauspflege - Stiftung für blinde und sehbehinderte Menschen

 

SCHWERPUNKT

Die sozialen Netzwerke wie Facebook, Instagram oder WhatsApp sowie „E-Services“ beim Onlinebanking, Booking, Shopping, haben unser Alltagsverhalten grundlegend verändert und sind mittlerweile nicht mehr aus unserem Leben weg zu denken.

Aber: Die neuen digitalen Kommunikationsmittel haben auch und gerade für Menschen mit massiven Seheinschränkungen hohe Bedeutung. Sie helfen ihnen, Zugang zu finden zu Information und Kommunikation, die für andere Gleichaltrige selbstverständlich sind. Digitalisierung leistet so gesehen einen wesentlichen Beitrag dazu, Teilhabe am Leben zu ermöglichen.

Die neue Ausgabe von NIKOAktuell bietet im Schwerpunkt Einblicke ins aktuelle Schulleben der Nikolauspflege und zeigt, wie digitale Medien auch im Bereich schwerer mehrfacher Beeinträchtigungen gewinnbringend eingesetzt werden.

 

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Auf zu neuen Räumen

 

Virtuell und ganz Real

Nach der Schulgesetzänderung hat der Geschäftsbereich Frühkindliche und Schulische Bildung seine Angebote angepasst. Nun freuen wir uns, dass der Anfang zur Anpassung der räumlichen Situation in Form eines neuen Schulhauses bei der Stuttgarter Nikolauspflege am Kräherwald gemacht ist.

Um für Neues Platz zu schaffen, beziehen im zweiten Schulhalbjahr fast alle Klassen des Hauses am Dornbuschweg ein Interimsgebäudein Stuttgart-Möhringen. Dieses wird so umgebaut, dass Schülerinnen, Schüler und ihre Lehrkräfte in barrierefreien und ansprechenden Räumlichkeiten den Schulalltag gestalten können.

Auch an der Königin-Olga-Schule in Heidenheim stehen Veränderungen an. Im Rahmen einer Kooperation mit einem Regelkindergarten in Heidenheim- Mergelstetten wird der Schulkindergarten im Sommer seinen Standort wechseln. Dann können auch hier Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen gemeinsam leben und lernen. Unsere inklusiven Angebote erweitern wir stetig.

Neue Entwicklungen aktiv gestalten

Sowohl die Weiterentwicklung im Bereich Inklusion als auch im Bereich der Blindenund Sehbehindertenpädagogik erfordert die kontinuierliche Erweiterung des spezifischen Know-hows. Um hier für alle Altersstufen und alle Bildungsgänge die passende Expertise vorhalten zu können, erarbeiten wir derzeit ein geschäftsbereichsübergreifendes System für den Bereich Wissensmanagement. In dieser NIKOAkuell-Ausgabe geben wir einen Einblick, wie die Digitalisierung die Teilhabemöglichkeiten von Menschen mit Beeinträchtigung des Sehens in hohem Maße erweitern kann. An dieser Stelle sei den Freunden und Förderern unserer Arbeit von Herzen gedankt, die dies mit ihrer Unterstützung möglich machen.

 

 


Der Helfer in der Hosentasche

 

Smart und immer dabei

Klapp, brumm, der Bus ist weg. Armin, hochgradig sehbehindert, schnappt noch etwas nach Luft, zieht dann frustriert sein Smartphone aus der Tasche und schaut nach der nächsten Verbindung. Zehn Minuten Zwangspause, also ab ins trockene Bushäuschen, hinsetzen, Langstock zusammenfalten, damit keiner drüberstolpert. Im ersten Moment scheint es für einen Menschen mit Sehbeeinträchtigung nicht gerade naheliegend, sich ein Handy zuzulegen, das nur über eine Glasplatte und wenige Knöpfe bedient wird. Doch die Geräte können inzwischen mit Hilfe von Programmen wie der „Sprachausgabe“ vorlesen, was auf dem Bildschirm gezeigt wird. Damit wird die Technik barrierefrei und zum willkommenen Helfer gerade für jüngere Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung.

Das aktuelle Bild an der Betty-Hirsch- Schule der Nikolauspflege ähnelt dem aller anderen Schulen: Viele Schülerinnen und Schüler verbringen ihre freie Zeit an Smartphones. Um mehr über deren Umgang mit dieser Technologie zu erfahren, wurden Kinder und Jugendliche der Betty-Hirsch-Schule und der wohnortnahen Beschulung zu ihren Smartphones befragt. An der kleinen Umfrage haben sich 21 Schülerinnen und Schüler der Betty- Hirsch-Schule und acht, die vom Sonderpädagogischen Dienst an einer Schule am Wohnort begleitet werden, beteiligt. Ihr Alter reichte von 10 bis 19 Jahren. Drei Viertel der Teilnehmenden haben eine Sehbehinderung, ein Viertel ist blind. Über 60 % nutzen ein Samsung-Handy, das iPhone überraschenderweise nur etwa 20 %. Eine Vergrößerung des Handybildschirms nutzen 20 %, etwa genauso viele nutzen die Sprachausgabe ihres Smartphones.

Ich schreibe jetzt whatsapp!

Smartphones haben für sehbehinderte und blinde Menschen Barrieren in der Kommunikation abgebaut, wie das in ähnlicher Form vorher nur die E-Mail getan hat. Mit nur wenigen Anpassungen kann der Smartphone-Nutzer auf Kommunikationsformen zurückgreifen, die von der sehenden Mehrheit täglich benutzt werden. Entsprechend ist die Rückmeldung der Schülerinnen und Schüler. Nahezu alle nutzen Soziale Medien, am häufigsten WhatsApp, aber auch Snapchat und Instagram. „Im Alltag nutze ich mein Smartphone, um Freundinnen zu schreiben“, erzählt Eva. Und Lea ergänzt: „Mir hilft das Smartphone, wenn ich jemanden erreichen muss.“ Eine andere Schülerin, die sich bislang schwertat, Lesen und Schreiben zu lernen, verblüffte ihre Lehrerin mit der Aussage: „Ich schreibe jetzt whatsapp!“ Gemeinsam haben sie sich den Kurznachrichtendienst angeschaut. Seither ist die Schülerin viel engagierter im Spracherwerb.

Smartphones als moderne Hilfsmittel

Natürlich wird das Smartphone auch gerne zum Zeivertreib genutzt. Gut die Hälfte der Teilnehmenden hat aber auch den Nutzen als Hilfsmittel im Blick, wie es Lina-Marie beschreibt: „Wenn ich etwas nicht lesen kann, dann benutze ich die Kamera und nutze die Vergrößerung.“ Andere geben an, dass sie mit Hilfe ihrer Smartphones Schilder, Situationen und Dinge besser erfassen können. „Mein Handy hilft mir, wenn ich am Bahnhof bin und ich mir sicher sein will, dass ich auf dem richtigen Gleis bin“, sagt Arzu. Damit nutzen die Schülerinnen und Schüler Technik, die nicht speziell für Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung gemacht ist, um sie zu ihrem Vorteil einzusetzen und sich den Alltag barrierefreier zu gestalten.

Der Zugang zu Informationen, sei es über die Kamera oder über Apps (Auskunft der Deutschen Bahn, Wikipedia, Zeitungen, Youtube etc.) wird gleichberechtigt möglich. Daneben kann das Smartphone als Taschencomputer natürlich auch die eigene Organisation von Informationen erleichtern, sei es über das Adressbuch, den digitalen Kalender oder Notizfunktionen. Diese neuen Möglichkeiten stellen überdies neue Anforderungen an die Lehrkräfte, den Schülern deren Nutzen näherzubringen. Spezielle Apps für spezielle Bedürfnisse. Zusätzlich zu diesen allgemeinen Funktionen von Smartphones gibt es unter den Befragten eine Gruppe (etwa ein Fünftel), die sich auch über spezielle Apps für sehbehinderte und blinde Anwender zu helfen weiß. Genutzt werden vor allem die Apps Barcoo, ColorSay und TapTapSee:

 

 

__ Barcoo ist eine App, die den Strichcode eines Produkts erkennen und dann Informationen zum Produkt ausgeben kann. Damit wird ein selbstständiger Einkauf möglich.

__ ColorSay erfasst die Farbe eines Objekts vor der Kamera – praktisch z.B., wenn man die Farbe seiner Kleidung oder des Nagellacks schlecht oder nicht erkennen kann, darüber aber selbst entscheiden möchte.

__ TapTapSee funktioniert ebenfalls zusammen mit der Kamera, nach einer kurzen Wartezeit spricht die App sehr zuverlässig vor, was auf dem Kamerabild zu sehen ist.

 

Auch in den Bereichen Lebenspraktische Fähigkeiten (LPF) und Orientierung und Mobilität (O&M) sind spezielle Apps hilfreich, z.B. beim Erkennen von Geldscheinen oder in der Fußgängernavigation. Entsprechend sind sie auch dort Unterrichtsinhalt. Das Smartphone als Alltagshelfer. Smartphones sind digitale Realität und dank entsprechender Technik ermöglichen sie in vorher nicht dagewesenem Umfang eine barrierearme und inklusive Kommunikation und Informationsrecherche. Gleichzeitig machen spezielle Apps sie zu einem Alltagshelfer, der mehr Selbstständigkeit ermöglichen kann. Sie finden Anwendung in der Schule, in Orientierung und Mobilität, in Lerngängen und im Schullandheim. Dass diese Unterstützung noch viel weiter gehen darf, äußert Arzu als Idee für zukünftige Weiterentwicklungen des Smartphones: „Mein Smartphone sollte den Haushalt machen und kochen und meine Hausaufgaben machen.“

 

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Digital?Total normal!

 

Teilhabe an der Gesellschaft bei mehreren Beeinträchtigungen

Timo steht vor einem iPad. Der 17-Jährige ist konzentriert, sortiert Gegenstände der Größe nach und freut sich, wenn er die Aufgabe geschafft hat. Timo besucht die Schule Haus am Dornbuschweg und hat neben einer Sehbeeinträchtigung noch weitere Beeinträchtigungen. „Das iPad hat für Timo einen hohen Aufforderungscharakter“, erklärt Lukas Wunder, Sonderschullehrer, der mit Timo am iPad arbeitet. „Es fördert z.B. seine Konzentrationsfähigkeit und die Auge-Hand-Koordination.“ Oder es macht manchmal auch einfach nur Spaß: Wenn Timo auf Ballons tippt, die über den Bildschirm schweben und die durch Berühren immer größer werden, bis sie platzen. Oder es einen virtuellen Monsterfreund gibt, der bei Berührung lacht, als würde er durchgekitzelt und alles, was man ihm vorsagt, nachspricht. „Hier kann er Spaß in seiner Sprache haben“, sagt Lukas Wunder.

Tablets im Unterricht

Seit einem Jahr werden Tablet-PCs in der Schule Haus am Dornbuschweg im Unterrichteingesetzt. Denn die digitalen Medien können eine enorme Bereicherung für die Schülerinnen und Schüler mit mehreren Beeinträchtigungen sein. Sie unterstützen ihre Kommunikation, helfen ihnen, selbstständiger zu lernen, und geben neue Möglichkeiten ihrer Freizeitgestaltung und zur Orientierung im Alltag. Und noch etwas ist wichtig: Die Tablets ermöglichen ihnen Erfahrungen, die für Gleichaltrige selbstverständlich sind. Auch für Schülerinnen und Schüler, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind, eigenen sich Tablet-PCs hervorragend. Dank spezieller Halterungen können sie in den verschiedensten Positionen befestigt werden.

„Vollblinde Schülerinnen und Schüler können mit Hilfe der Sprachausgabe die Tablets nutzen und jene mit eingeschränkten motorischen Fähigkeiten können selbstwirksam einer Bilderreihe folgen. Dabei reicht es vollkommen, wenn sie mit kleinsten Bewegungen z.B. des Unterkiefers einen Taster auslösen“

, erklärt Simone Zaiser, die das Projekt „Teilhabe an der digitalen Gesellschaft“ am Haus am Dornbuschweg verantwortet. Doch die Nutzung der Tablet-PCs hat für die Schülerinnen und Schüler mit mehreren Beeinträchtigungen mehrere Hürden. Sie erschließt sich ihnen nicht nebenbei, und sie müssen dabei von Fachleuten begleitet und unterstützt werden. Auch für die Lehrerinnen und Lehrer gibt es auf diesem Gebiet viel zu lernen. Denn die Ziele beim Einsatz digitaler Medien wie Tablet-PCs gehen über die reine Mediennutzung hinaus. „Das Tablet soll die Schülerinnen und Schüler unterstützen, ihre persönlichen pädagogischen Ziele zu erreichen. Dazu muss sich der Lehrer bei jedem Schüler und jedem Ziel fragen, ob der Tablet-PC sinnvoll eingesetzt werden kann und welche Applikation die beste Unterstützung bietet“, erklärt Simone Zaiser. Aufgrund der heterogenen Schülerschaft stehen die Lehrer hier vor individuellen Anforderungen. Diese zu erreichen, dazu hat sich die Schule Haus am Dornbuschweg aufgemacht. Das Kollegium wird auf diesem Weg mit Beratungstagen, Schulungen und Wissensforen zum Austausch der Erfahrungen begleitet.

Input aus dem Ausland

Informiert über die Möglichkeiten der Digitalisierung im Unterricht haben sich Anne Reichmann, die Leiterin des Geschäftsbereichs Frühkindliche und Schulische Bildung, und ihre Kollegen in den Niederlanden bei Bartiméus, einem großen Träger mit Angeboten für blinde und sehbehinderte Menschen aller Altersklassen. „Bartiméus in den Niederlanden hat uns sehr beeindruckt“, sagt Anne Reichmann, die die Holländer vor mehr als zehn Jahren erstmals kennenlernte.

An den Schulen von Bartiméus arbeiten blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler schon lange mit digitalen Medien. Sie sind ein Baustein unter vielen im Schulalltag des einzelnen Schülers geworden. Die Verfügbarkeit der Medien im Klassenzimmer ist schnell und unkompliziert, einfach vorbildlich. Jede Klasse verfügt über die Medien, die hier benötigt werden. „Bei Besuchen in mehreren Klassen mit ganz unterschiedlichen Anforderungen konnten wir beobachten, wie geschickt die sehbehinderten oder blinden Schülerinnen und Schüler sich mit den digitalen Medien beschäftigt haben. Zu Recht können wir bestätigen, dass Bartiméus auf diesem Gebiet federführend arbeitet“, sagt Anne Reichmann. „Hier sehen wir, was alles möglich sein kann. Das hat uns sehr inspiriert.“

In Bartiméus werden auch Geräte der Unterhaltungselektronik in den Alltag integriert, die den Jugendlichen Eigenständigkeit und Teilhabe ermöglichen. So gibt es einfach zu bedienende Taster, die erklären, welchen Gegenstand man gerade in den Händen hält. Dies alles sind Beispiele, die Mut machen, wie der Zugang zur digitalen Gesellschaft erleichtert werden kann. Großzügige Spenden machen es möglich. Um die Nutzung digitaler Medien nachhaltig und für alle Schülerinnen und Schüler der Schule Haus am Dornbuschweg zu ermöglichen, braucht es viele Tablets, eine gute Infrastruktur und geschulte Lehrkräfte in allen Klassen, die den Schülerinnen
und Schülern digitale Möglichkeiten eröffnen, ihnen verschiedene Programme für ihre individuellen Bedürfnisse nutzbar machen.

Im Haus am Dornbuschweg gibt es diese Voraussetzungen dank einer Stiftung, die den Ausbau des Projektes förderte. „Es freut mich sehr, dass den blinden oder sehbehinderten Kindern und Jugendlichen mit Mehrfachbehinderungen dadurch eine stärkere Selbstbestimmung und echte Teilhabe nach neuestem Stand der Technik ermöglicht wird, die für sehende und nicht behinderte Kinder selbstverständlich ist“, so ein Vorstandsmitglied. Dank dieser Unterstützung sind seit diesem Jahr in allen Klassen iPads mit entsprechenden Schutzhüllen und Tastern verfügbar, die Lehrkräfte können sie zu jeder Zeit einsetzen. Mit dem Tablet-PC alleine ist es aber nicht getan. Die Klassen sind zusätzlich mit Halterungen ausgestattet, die eine Befestigung am Rollstuhl oder liegend im Bett erlauben. Zusätzlich zu den iPads konnten weitere digitale Medien angeschafft werden: Selbstwirksam können die Schülerinnen und Schüler mit „Beamz“ Musik wie ein DJ erzeugen, Lieder dank dem taktilen Schaumwürfel „Skoog“ begleiten und so Teil eines Orchesters werden. Oder sie stimulieren mit einem Klangkissen, das über Bluetooth an das iPad angeschlossen werden kann, ihren taktilen Sinn oder das Gehör. „Wir sind sehr dankbar für diese großartige Unterstützung und das Vertrauen, das man uns entgegenbringt“, sagt Anne Reichmann. „Wir freuen uns mit unseren Schülerinnen und Schülern über die neuen digitalen Lernmöglichkeiten, die sich ihnen nun eröffnen und ihren Alltag bereichern.“

 

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Atraktives Konzept mit hoher Flexibilität

Der ausgewählte Entwurf gefällt mir sehr gut, weil er offen gebaut und hell ist. Dass die Turnhalle teilweise unter die jetzige Plattform gebaut wird, finde ich auch eine tolle Idee. Ebenso finde ich eine gute Idee, dass die Grundschule und die Hauptstufe zusammen in einem Gebäude untergebracht sind. Für mich war es eine spannende Erfahrung, an dem Architekten-Wettbewerb teilzunehmen, weil es mir einen guten Einblick in die berufliche Welt verschafft hat. Die ganzen wichtigen Leute, mit denen ich die zwei Tage verbringen durfte, waren alle ausgesprochen nett.

Anne Isenberg, Schülersprecherin

Bei der Stuttgarter Nikolauspflege am Kräherwald stehen große bauliche Veränderungen bevor. Denn das „Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum im Schwerpunkt Sehen mit Internat“ hat eine wachsende Zahl von Kindern und Jugendlichen mit mehreren Behinderungen zu verzeichnen. Zudem gibt es vor dem Hintergrund von Inklusion inzwischen auch sehende Kinder, die hier zur Schule gehen. So entsteht insgesamt eine veränderte Situation, für die nun ein neues Schulhaus mit Sporthalle gebaut und das Außengelände des Campus barrierefrei gestaltet wird.

Am 30.11.2016 hat eine breit besetzte Jury ganztätig über sieben Architektenentwürfe für eine neue Schule mit Sporthalle der Nikolauspflege am Kräherwald beraten. Beim anschließenden Publikumstag wurde zahlreichen Interessierten erläutert, was bei der komplexen Aufgabenstellung alles zu berücksichtigen war. Die Anforderungen reichen von der wachsenden Zahl inklusiver Klassen über Barrierefreiheit für die steigende Zahl von mobilitätseingeschränkten Personen bis hin zu dem Umstand, dass am Kräherwald auch Internate und Teile des Bereichs Berufliche Bildung angesiedelt sind. Sieben Planungsgemeinschaften haben Entwürfe vorgelegt, wie das Szenario aussehen könnte, für das ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden muss. Übergeordnete Kriterien waren Funktionalität, Wirtschaftlichkeit, Gestaltung und städtebauliche Einbindung. Zudem waren nicht nur pädagogische und sozialräumliche Anforderungen des Bauherrn zu berücksichtigen, sondern auch die Perspektiven von Kommunalpolitik und Verwaltung, denen z.B. die Frischluftzufuhr für den Stuttgarter Westen und die Sicht auf das denkmalgeschützte alte Hauptgebäude besonders wichtig sind.

Hohes Niveau aller Wettbewerbsbeiträge. In Abwägung all dieser Themen hat die Jury unter Vorsitz von Prof. Jörg Aldinger nach intensiven Beratungen ihre Entscheidung getroffen. Auf Rang 1 landete das Architekturbüro „Birk, Heilmeyer und Frenzel Architekten“ mit dem „Studio Grjisbach Landschaftsarchitektur“, die mit ihrem Vorschlag für den Realisierungsteil am meisten überzeugten. Dabei handelt es sich um ein gemeinsames Atriumgebäude für die inklusive Betty-Hirsch-Schule und die
Schule Haus am Dornbuschweg mit einer relativ geschlossenen Front zur vielbefahrenen Kräherwaldstraße hin und barrierefreien Wegen mit Aufenthaltsflächen mit gleichen Bedingungen für Läufer und Rollifahrer.

„Wir wollten nicht, dass die einen kurze und die anderen lange Wege haben“, so Liza Heilmeyer-Birk. Die Turnhalle liegt unter der Erde, hat aber durch die Hanglage eine attraktive Panoramaseite und Zugang von außen. Separate Eingänge zum Gelände für die Bereiche tragen der Campusidee Rechnung. Eine Öffnung hin zur Gustav-Siegle- Straße setzt Zeichen, dass Verbindungen
ins Viertel hinein ausdrücklich gewünscht sind. Ein Aufstellungsbeschluss ist seit Sommer dieses Jahres gefasst. „Wir haben dieses Projekt von Anfang an im Dialog mit der Stadt entwickelt“, betont der Vorstandsvorsitzende der Nikolauspflege Dieter Feser. Nachdem der Aufsichtsrat im Januar die Empfehlung der Jury bestätigt hat, können die Planungen nun weitergeführt werden. Geplanter Baubeginn ist 2018.

 

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