FAQ – Häufig gestellte Fragen

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Woher kommt der Name „Nikolauspflege“?

1827 war es der Lehrer Gottlieb Friedrich Wagner, der in Stuttgart die erste Blindenschule gründete. 20 Jahre später nahm sich die Zarentochter und Kronprinzessin Olga von Württemberg dieser Arbeit als Schirmherrin an. Am 15. Oktober 1856 wurde die Blindenanstalt „Nikolauspflege für blinde Kinder“ in der Forststraße in Stuttgart mit elf Zöglingen feierlich unter Teilnahme Ihrer Kaiserlichen Hoheit, der Kronprinzessin Olga und ihrer Mutter Kaiserin Alexandra von Russland, eröffnet. Die hohe Protektorin verlieh dem Haus zum Andenken an ihrem 1855 verstorbenen Vater Zar Nikolaus I. den Namen „Nikolauspflege“.


Welche Möglichkeiten der ehrenamtlichen Tätigkeit gibt es an der Nikolauspflege?

Je nach Neigung schlagen wir Interessierten verschiedene Einsatzmöglichkeiten vor. Wir bieten die Möglichkeit zur Hospitation, bevor man sich für einen Bereich entscheidet. Es gibt z.B. die Möglichkeit der Unterstützung von schwer mehrfachbehinderten, blinden oder sehbehinderten Schülern im Unterricht, Mithilfe im Wohnbereich für schwer mehrfachbehinderte Kinder, Begleitung junger Erwachsener bei Freizeitaktivitäten, Unterstützung der Werkstatt-Mitarbeiter, evtl. auch im Bereich der Haustechnik oder Gartenarbeiten.


Werde ich bei der ehrenamtlichen Tätigkeit angeleitet?

Ja, Sie haben eine/n persönliche/n Ansprechparter/in, der/die Sie anleitet. Es gibt auch themenspezifische Fortbildungsmöglichkeiten.

 


Gibt es einen Mindest-Zeiteinsatz für die ehrenamtliche Tätigkeit?

Nein, wir bemühen uns, ein passendes Angebot zu machen, allerdings ist Kontinuität wichtig für unsere Klienten.


Was ist, wenn bei mir „was dazwischenkommt“?

Eine ehrenamtliche Tätigkeit ist grundsätzlich jederzeit sofort beendbar. Schön ist natürlich, wenn wir rechtzeitig über eine geplante Beendigung Bescheid wissen.


Wie viele Menschen in Deutschland sind schwerbehindert?

In Deutschland haben rund 8 Millionen Menschen eine anerkannte Schwerbehinderung. Die meisten dieser Behinderungen sind auf den ersten Blick nicht sichtbar, wie z.B. bei Diabetes, Krebserkrankungen, Rückenleiden etc. Nur ein ganz geringer Prozentsatz der behinderten Menschen ist von Geburt an behindert.


Wer gilt als sehbehindert?

In Deutschland gilt man mit weniger als 30 Prozent Sehschärfe (gemessen mit Brille oder Kontaktlinsen) als sehbehindert, unter 10 Prozent Sehschärfe als stark sehbehindert und unter 5 Prozent Sehschärfe als hochgradig sehbehindert. Man unterscheidet zwischen korrigierbaren und nicht korrigierbaren Sehbeeinträchtigungen. Die korrigierbaren – z.B. Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit – lassen sich weitgehend mit einer Brille oder mit Kontaktlinsen beheben. Nicht korrigierbare Seheinschränkungen sind meistens angeboren oder wurden durch einen Unfall verursacht und betreffen Störungen im Bereich des Sehnervs, der Netzhaut, der Linse, der Hornhaut o.Ä. Diese können durch eine Brille oder Kontaktlinsen nicht behoben werden. Viele Sehbehinderte tragen dennoch eine Brille, was auf eine Kombination aus korrigierbaren und nicht korrigierbaren Sehbeeinträchtigungen schließen lässt. Als sehbehindert gilt, wer trotz Korrektur normale Sehfunktionswerte nicht erreicht und dessen Sehschärfe in der Ferne und/oder in der Nähe auf 1/3 (30 %) bis 1/20 (5 %) der Norm (100 %) herabgesetzt ist. Das heißt, dass ein Sehbehinderter mit 1/20 Sehkraft aus 1 m Entfernung das erkennen kann, was ein Normalsichtiger aus 20 m Entfernung sieht. Ebenso können, wie oben erwähnt, Gesichtsfeldausfälle von entsprechendem Schweregrad eine Sehbehinderung begründen. Quelle: www.bsvsuedbaden.org/sehbehindert.asp

Sehbeeinträchtigung, Sehbehinderung, Sehschädigung, hochgradige
Sehbehinderung, Sehschwäche, praktische Blindheit – viele Begriffe, die allesamt wenig über die tatsächliche Sehfähigkeit aussagen.

Von Sehbehinderung spricht man erst, wenn das Sehen um einen gewissen Grad beeinträchtigt ist und wenn diese Beeinträchtigung dauerhaft ist.

Definition im Überblick:
Nach dem Gesetz gilt, grob gesagt, als

  • „sehbehindert“, wer weniger als 30 %,
  • „wesentlich sehbehindert“, wer weniger als 10 %,
  • „hochgradig sehbehindert“, wer weniger als 5 %, und
  • „blind“, wer weniger als 2 % sieht.


Definition im Detail:
Für das Maß der Beeinträchtigung gibt es eine Abstufung der
Weltgesundheitsorganisation (WHO). Je nach Grad der Sehbehinderung haben die Betroffenen Ansprüche, die im Sozialrecht als „Nachteilsausgleich“ bezeichnet werden. Das deutsche Sozialrecht übernimmt nur zum Teil die Einteilung der Weltgesundheitsbehörde.

Sehbehinderung in Deutschland:
(identisch mit Sehbehinderung nach WHO Stufe 1)
Das Sehvermögen ist kleiner oder gleich 30 Prozent oder 1/3 (Visus kleiner =
0,3). Visus ist der medizinische Ausdruck für die Sehstärke; er wird meistens
als Dezimalzahl ausgedrückt. Erst ab 30 % oder weniger besteht in der Regel
ein Anspruch auf eine Kostenbeteiligung der Krankenkassen bei Sehhilfen wie
Brille oder Kontaktlinse.

Sehbehinderung nach Stufe 2 der WHO:
(in Deutschland bezeichnet als „wesentlich sehbehindert“)
Das Sehvermögen ist kleiner oder gleich 10 Prozent (Visus kleiner = 0,1).

Hochgradige Sehbehinderung: (identisch mit WHO Stufe 3)
Hochgradige Sehbehinderung liegt vor, wenn das Sehvermögen trotz Brille gleich 5 Prozent oder 1/20 oder weniger beträgt (Visus kleiner = 0,05).

Im Gegensatz zum deutschen Sozialrecht wird nach der Weltgesundheitsorganisation hier bereits von Blindheit gesprochen.

Blindheit in Deutschland: (identisch mit WHO Stufe 4)
In Deutschland ist ein Mensch im Sinne des Gesetzes blind, wenn er selbst mit
Brille oder Kontaktlinsen weniger als 2 Prozent (auch oftmals als ein
Fünfzigstel 1/50 bezeichnet) dessen sieht, was ein normal sehender Mensch
erkennt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht von einem Sehvermögen von kleiner oder gleich 2 Prozent (Visus kleiner = 0,02). Ab hier spricht man in Deutschland von praktischer oder „gesetzlicher Blindheit“ mit dem Anspruch auf Landesblindengeld oder Blindenhilfe.


Wie sieht ein Sehbehinderter?

Um ohne visuelle Einschränkung leben zu können, braucht man keine Sehschärfe von 100 Prozent. Mit 50 Prozent darf man gerade noch Auto fahren, mit 30 Prozent kann man bequem ohne Lupe die Zeitung lesen. Bei Menschen mit einer Sehbehinderung kann das Sehen verschwommen sein, die Farberkennung kann beeinträchtigt sein oder es kann Ausfälle im Gesichtsfeld wie z.B. den Tunnelblick geben. Wie stark jemand durch eine Sehbehinderung beeinträchtigt ist, hängt immer auch davon ab, wie gut das verbliebene Sehvermögen genutzt wird.


Wann ist man blind?

In Deutschland gilt derjenige als 'blind', der auf seinem besseren Auge eine Sehschärfe von weniger als 2 Prozent hat bzw. dessen Gesichtsfeld kleiner als 5 Grad ist. Die deutsche Definition von Blindheit ist relativ eng gefasst. In den USA beispielsweise gilt man mit weniger als 10 Prozent Sehschärfe bereits als gesetzlich 'blind'.

Blindheit nach WHO Stufe 5:
Blindheit (medizinisch: Amaurose) steht für fehlende Wahrnehmung von
Lichtschein.


Sieht ein Blinder gar nichts?

Von allen Menschen, die in Deutschland als 'blind' eingestuft sind, haben etwa 5 Prozent überhaut keinen Sehrest, können also auch nicht hell und dunkel unterscheiden. Späterblindete Menschen, die nicht mehr hell und dunkel unterscheiden können, 'sehen' verschiedene Nuancen von Grau. Man kann nur dann Dunkelheit als Schwärze wahrnehmen, wenn man auch Weiß wahrnehmen kann. Blinde Menschen sehen also nicht, wie viele annehmen, ständig Schwarz. Geburtsblinde Menschen ohne Hell-Dunkel-Wahrnehmung sehen gar nicht, weil für sie die Dimension 'Sehen' nie eine Bedeutung hatte.


Wie viele Sehbehinderte/Blinde leben in Deutschland?

In Deutschland leben rund 160.000 blinde und ca. 500.000 stark sehbehinderte Menschen. Das heißt, einer von 500 Menschen ist blind, und von 160 Menschen ist einer stark sehbehindert. Jedes Jahr erblinden über 20.000 Menschen.Die meisten in hohem Alter, wie folgende Altersverteilung zeigt (absoluteZahlen in Klammern):

  • 0–18 Jahre:     6 %
  • 18–30 Jahre:   7 %
  • 30–60 Jahre: 17 %
  • 60–80 Jahre: 32 %
  • ab 81 Jahre: 38 %

Wen betrifft Sehbehinderung/Blindheit?

Rund 85 Prozent der sehbehinderten Menschen sind älter als 60 Jahre, 10 Prozent sindzwischen 30 und 60 Jahre und jeweils etwa 2,5 Prozent gehören den Altersgruppen 0–18 Jahre und 19–30 Jahre an.Blindheit und Sehbehinderung betrifft Männer wie Frauen gleichermaßen. Beiallen Altersgruppen bis ca. 60 Jahre ist die Verteilung der von Blindheit undSehbehinderung Betroffenen auf die beiden Geschlechter gleich. Aufgrund derhöheren Lebenserwartung der Frauen sind in der Altersgruppe 60+ allerdingsmehr als 2/3 der schlecht oder nicht sehenden Personen weiblich.Nur rund 30 Prozent der blinden Menschen im erwerbsfähigen Alter, also rund 11.000 der ungefähr 33.000 blinden Menschen zwischen 20 und 60 Jahren, haben einen Arbeitsplatz.


Was sind die Hauptursachen für Augenerkrankungen, die zu Blindheit oder Sehbehinderungen führen?

Nach WHO-Angaben wird die Blindheit in Mitteleuropa durch folgende Krankheiten verursacht:

  • Altersabhängige Makuladegeneration 50 %
  • Glaukom 18 %
  • Diabetische Retinopathie 17 %
  • Katarakt 5 %
  • Hornhauttrübungen 3 %
  • Erblindung in der Kindheit 2,4 %
  • Andere Ursachen 4,6 %

Geburtsblindheit tritt v.a. bei zu früh geborenen Säuglingen auf. Der hohe Sauerstoffgehalt im Brutkasten zerstört die noch nicht vollständig entwickelte Netzhaut. Weltweit ist der Graue Star die häufigste Ursache für Erblindung.


In welcher Altersgruppe sind die meisten Menschen blind?

Die Wahrscheinlichkeit einer Erblindung nimmt mit zunehmendem Alter ständig zu. Nur etwa 1,5 Prozent der blinden Menschen sind von Geburt an blind, aber 70 Prozent der blinden Menschen sind erblindet, als sie älter als 60 Jahre alt waren. Die häufigste Erblindungsursache in Deutschland ist die altersabhängige Makula-Degeneration. Diese Netzhauterkrankung verläuft schleichend über Jahre oder sogar Jahrzehnte und betrifft mittlerweile fast jeden fünften Menschen im Rentenalter.


Welchen Beruf kann ein blinder Mensch ausüben?

Wie bei nichtbehinderten Menschen auch hängen die beruflichen Möglichkeiten blinder Menschen von dem erreichten Schulabschluss ab. Blinde Menschen mit zusätzlichen Einschränkungen (z.B. Lernbehinderungen) bzw. mit niedriger schulischer Qualifikation wurden lange traditionell als Bürstenmacher, Besenbinder oder Korbflechter ausgebildet. Das ist oft auch noch heute so. Sie arbeiten dann in Blindenwerkstätten oder Werkstätten für behinderte Menschen. Blinde Menschen mit mittlerer schulischer Qualifikation werden oft im Bereich Bürokommunikation ausgebildet. Tätigkeiten als Telefonisten, Schreibkräfte, Sachbearbeiter, Kaufmann bzw. Kauffrau für Bürokommunikation, Datenverarbeitungskaufmann bzw. -frau etc. sind gut geeignet. Aber auch eine Tätigkeit als Masseur oder Physiotherapeut ist denkbar. Das BBW Stuttgart hat dieses „traditionelle“ Berufe-Spektrum wesentlich erweitert.

Menschen, die erst während ihrer Berufstätigkeit erblinden, können nur selten in ihrem alten Beruf bleiben. Sie können entweder umgeschult werden oder gehen in Erwerbsunfähigkeitsrente.


Wie viele blinde Menschen haben einen bezahlten Arbeitsplatz?

Nur etwa 30 Prozent der blinden Menschen im erwerbsfähigen Alter haben einen festen bezahlten Arbeitsplatz. 70 Prozent der blinden Menschen im erwerbsfähigen Alter sind entweder in Ausbildung, erwerbsunfähig berentet, arbeitslos, Sozialhilfeempfänger oder führen zu Hause den Haushalt. Leider gibt es keine gesicherten Daten über die Arbeitslosenquote blinder Menschen. Sie liegt auf jeden Fall über der allgemeinen Arbeitslosenquote.


Welche finanziellen Hilfen gibt es für Blinde?

Zum Ausgleich ihrer behinderungsbedingten Mehraufwendungen (z.B. Taxifahrten, Haushaltshilfen, Vorlesehilfen, Begleitung, Hilfsmittel etc.) bekommen blinde Menschen unabhängig von ihrem Einkommen ein sogenanntes Landesblindengeld. Blinde Menschen haben eine anerkannte Schwerbehinderung von 100 Prozent. Damit haben der blinde Mensch oder seine Angehörigen einen Steuerfreibetrag von 3.600 Euro. Zusätzlich gibt es verschiedene andere Steuererleichterungen, z.B. eine Befreiung von der Kfz-Steuer. Außerdem fahren blinde Menschen im öffentlichen Nahverkehr frei und dürfen bei Fernfahrten kostenlos eine Begleitperson mitnehmen.


Was ist die Punktschrift und wie funktioniert sie?

Die Punktschrift wurde vor 150 Jahren von dem blinden Franzosen Louis Braille entwickelt. Die Schrift besteht aus erhabenen Punktekombinationen, die mit den Fingerkuppen gelesen werden können. Blinde Kinder lernen diese Schrift oft von Anfang an in der Schule. Sie können damit dann meist ebenso schnell schreiben und lesen wie sehende Schüler mit der Schrift der Sehenden. Für späterblindete Menschen ist es sehr mühsam, die Punktschrift zu lernen. Wenn man noch jung genug ist und der Tastsinn in den Fingern nicht beeinträchtigt ist, braucht man ungefähr ein Jahr, um ein wirklicher Punktschriftnutzer zu werden. Aufgrund der Überzahl der späterblindeten Menschen können nur etwa 20 Prozent aller blinden Menschen in Deutschland Punktschrift lesen. Punktschriftbücher brauchen etwa 30 bis 50 mal so viel Platz wie ein Buch in Schwarzdruck. Es ist also nahezu unmöglich, den Brockhaus als Punktschriftausgabe zu Hause im Regal unterzubringen.


Wie können blinde Menschen am PC arbeiten?

Für sehbehinderte Menschen gibt es die Möglichkeit, den Bildschirminhalt zu vergrößern bzw. kontrastreich darzustellen. Für blinde Menschen gibt es Software, die den Bildschirminhalt in synthetische Sprache umsetzt (Sprachausgabe) oder ihn zusätzlich auf einer Braille-Zeile in Punktschrift umsetzt. Der Computer eröffnet blinden Menschen damit neue Möglichkeiten. Gleichzeitig sind im Internet leider viele Webseiten noch so gestaltet, dass sie für blinde Menschen nicht oder nur eingeschränkt nutzbar sind. Eine barrierefreie Webseite kann durchaus Animationen, Filmsequenzen etc. enthalten, entscheidend ist, dass diese dann zum Beispiel mit einem Alternativtext hinterlegt sind.


Warum ist der Blindenstock weiß?

Blinde Menschen haben zu allen Zeiten und in allen Kulturen Stöcke benutzt, um ihren Weg abzutasten. Der weiße Langstock in seiner jetzigen Form und Funktion ist aber eine relativ junge Erfindung. Mit der Zunahme des Autoverkehrs musste der Stock Signalfunktion erhalten, um sehende Verkehrsteilnehmer rechtzeitig auf blinde Fußgänger aufmerksam zu machen. Aus diesem Grund hat der Stock die Farbe Weiß erhalten. Die durchgreifende Idee dazu hatte die Gräfin Guily Herbemont im Jahre 1931 in Paris. Mit gebührender öffentlicher Aufmerksamkeit überreichte sie 100 weiße Stöcke an blinde Franzosen. Am 15. Oktober 1964 überreichte der damalige US-Präsident Johnson blinden Amerikanern ebenfalls weiße Langstöcke. Diese Aktion gilt als der Beginn eines systematischen Trainings in Orientierung und Mobilität mit Hilfe des Langstocks. Seither wird der 15. Oktober weltweit als 'Tag des weißen Stockes' begangen. An diesem Tag machen die Blinden- und Sehbehindertenverbände mit zahlreichen Aktionen auf ihre Anliegen aufmerksam.


Wie bekommen Blinde einen Blindenführhund?

Ein blinder Mensch kann sich aus freien Stücken für einen Blindenführhund entscheiden. Zurzeit gibt es in Deutschland etwa 2.500 Blindenführhunde. Es entscheiden sich nicht alle blinde Menschen für einen Führhund, da er wie jeder Hund täglich Auslauf, Zuwendung und Pflege braucht. Wer aber einen Führhund möchte, sucht sich eine Führhundschule aus und schickt einen Kostenvoranschlag an seine Krankenkasse. Zurzeit bekommt man dann (manchmal muss man vorher gegen den ablehnenden Erstentscheid Widerspruch einlegen) eine Bewilligung zur Kostenübernahme. Ein Führhund führt um Hindernisse herum bzw. bleibt vor Treppen und Bordsteinen stehen. Er reagiert auf Kommandos wie 'Weg links', 'Such den Eingang' etc. Häufig gegangene Wege kennt der Hund auswendig und läuft sie auch ohne Kommandos. Der blinde Hundehalter muss immer 'Chef' des Gespanns bleiben, muss wissen, wo er sich ungefähr befindet und wo er hin will. Blindenführhundehalter schwören in aller Regel auf dieses 'lebende Hilfsmittel' auf vier Pfoten, weil der Hund ihnen wesentlich mehr Mobilität, Sicherheit und positiven Kontakt zu Mitmenschen ermöglicht. Der Führhund darf fast überall mitgenommen werden: ins Kino oder Theater, in den Supermarkt, zum Arzt, in die Passagierkabine im Flugzeug, in die Uni oder an den Arbeitsplatz etc. Außerdem ist die positive Wirkung auf die Psyche des Hundehalters nicht zu unterschätzen. Wenn ein Hund nicht krank wird, kann er fast zehn Jahre als Führhund arbeiten. Die Hunde machen ihre Arbeit gern. Man muss allerdings daran denken, dass Hunde keine Maschinen sind und auch mal wie andere Hunde Unsinn machen, spielen möchten, ängstlich sind oder einfach mal einen schlechten Tag haben.


Was tun die Stadtplaner für blinde und sehbehinderte Bürger?

Taktile Leitstreifen, akustische Ampelanlagen, Ansagen in Bussen, Bahnen, Fahrstühlen etc. sind ausgesprochen sinnvolle Hilfen für blinde Menschen. Leider sind noch nicht alle Ampeln mit einem akustischen Signal versehen, so gibt es in Hamburg etwa 1.500 Ampelanlagen, und davon sind nur etwa 170 akustisch ausgestattet. Nur bei jeder zehnten Ampel wurde also an blinde Fußgänger gedacht. Für sehbehinderte Menschen ist eine kontrastreiche Gestaltung des öffentlichen Raumes, wie z.B. weiße Streifen auf Stufen, Bahnsteigen etc., sehr hilfreich. Es kann vorkommen, dass sich die Bedürfnisse unterschiedlicher Behinderungsgruppen widersprechen. Rollstuhlfahrer profitieren von abgesenkten Bordsteinen, was für blinde Menschen gefährlich sein kann.


Können blinde Menschen Sport machen?

Fast alle Individualsportarten und Natursportarten wie Laufen, Schwimmen, Skifahren, Klettern, Reiten, Leichtathletik, Turnen, Tanzen, Paddeln, Rudern, Segeln etc. werden von blinden Menschen ausgeübt. Dabei ist häufig das Prinzip des Tandems die Grundlage, d.h., ein blinder und ein sehender Mensch treiben gemeinsam Sport. Dazu eignen sich Sportarten, die ohnehin mit einem Partner ausgeübt werden, wie Judo, Standardtanz, Paddeln im Zweierkajak oder Rudern im Zweier, Vierer oder Achter, Fahrradfahren auf einem Tandem etc., besonders. Ferner gibt es eine besondere Ballsportart für blinde Spieler. Torball oder Goalball wird in zwei Mannschaften mit je drei Spielern gespielt, die jeweils versuchen, den Ball an die Wand hinter die gegnerische Mannschaft zu rollen. Der Ball ist ein 'Klingelball', dessen Bewegung man hören kann. Das Spiel kann sehr temporeich und rasant sein. Für blinde Sportler gibt es sowohl spezielle Sportgruppen als auch die Möglichkeit, in Gruppen mit nichtbehinderten Sportlern zu trainieren. Es gibt spezielle Wettkämpfe bis hin zu den Paraolympics, aber es gibt auch einzelne blinde bzw. hochgradig sehbehinderte Sportler, die mit ihren Leistungen mit nichtbehinderten Sportlern konkurrieren, bis hin zur Olympia. Zudem gibt es immer wieder neue Sportarten wie Blindenfußball oder Blindentischtennis. Der erste blinde Fitnesstrainer war Auszubildender an der Nikolauspflege.


Wann erhalte ich eine Spendenquittung?

Seit Januar 2008 und rückwirkend bis Januar 2007 wird auf den Nachweis für Spenden bis zu einer Höhe von 200 € verzichtet. Dies bedeutet, dass Spenden bis zu einer Höhe von 200 € einfach mittels Kontoauszug oder Einzahlungsbeleg von der hauseigenen Bank steuerlich geltend gemacht werden können. Erst ab einer Quittungsgrenze von 200,01 € ist die Vorlage einer amtlichen Zuwendungsbestätigung erforderlich. Bei Spenden ab einem Betrag von 200 € erstellt die Nikolauspflege wie gewohnt eine Zuwendungsbestätigung.


Welche Hilfsmittel können von Spendengeldern angeschafft werden und was kosten sie?

  • Der weiße Langstock und anfänglich 80 Stunden Mobilitätstraining werden von der Krankenkasse bezahlt. Eine Stunde Mobilitätstraining kostet etwa 70 Euro.
  • Ein Blindenführhund kostet zwischen 15.000 und 20.000 Euro und wird in der Regel auch von der Krankenkasse bezahlt.
  • Ein Bildschirmlesegerät für stark sehbehinderte Menschen kostet etwa 4.000 Euro und wird von der Krankenkasse bezahlt.
  • Ein Computerlesegerät mit Sprachausgabe für zu Hause kostet etwa 6.000 Euro und wird von der Krankenkasse bezahlt.
  • Eine 40-stellige Braille-Zeile für zu Hause kostet etwa 5.000 Euro und wird in Einzelfällen von der Krankenkasse bezahlt.
  • Eine komplette blindengerechte Arbeitsplatzausstattung mit entsprechender Schulung kostet etwa 20.000 Euro und wird aus Mitteln der Ausgleichsabgabe finanziert.
  • Ein Farberkennungsgerät kostet etwa 600 Euro und wird in Einzelfällen von der Krankenkasse finanziert.
  • Hilfsmittel für den Alltag: Sprechende Uhren gibt es ab etwa 10 Euro, Uhren zum Tasten ab etwa 80 Euro, Fieberthermometer und Außenthermometer gibt es ab 15 Euro und sprechende Organizer kosten etwa 300 Euro, Punktschriftmaschinen kosten etwa 600 Euro. Es gibt spezielle Versandhäuser für Hilfsmittel und speziell ausgestattete Gebrauchsgegenstände oder auch umgebaute Brettspiele.
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