Euro-Tandem-Pilger-Tour 2012

Mit Mut und Unterstützung der Nikolauspflege zum Pilgerziel

Dominic Reißlehner ist sehbehindert. Das hindert ihn aber nicht daran, seine beruflichen und sportlichen Ziele zu verfolgen. Der 18-Jährige absolviert eine berufsvorbereitende Maßnahme am Berufsbildungswerk Stuttgart. Dort entdeckte er auch seine Begeisterung für das Tandemfahren. 
Unterstützt von der Nikolauspflege, meldete er sich für die "Euro-Tandem-Pilgertour 2012" der HEM-Schwerger-Stiftung von Neuhausen nach Santiago de Compostela an. Es folgten Monate harten Trainings bei der Nikolauspflege und im Fitness-Center. Trainer Matthias Kopp machte Dominic fit für die mehr als 1.000 Kilometer lange Tour mit knapp 11.700 Höhenmetern. Hier erzählt er von seinen Eindrücken auf der Tandem-Reise nach Spanien: 

"Unsere Pilger-Tour ging vom 25. Mai bis 09.Juni 2012 von Neuhausen auf den Fildern nach Santiago de Compostela. Nachdem der Bürgermeister den Startschuss gab, wurden wir von der Polizei nach Freudenstadt begleitet, wo wir mittags im Rathaus  empfangen wurden. Danach ging es gleich weiter nach Straßburg (1.Tag: 160 km, 1.800 Höhenmeter). 
Die nächsten zwei Tage fuhren wir mit dem Bus weiter nach Saint-Jean-Pied-de-Port. Nach einem anstrengenden Tag mit Überqueren der Pyrenäen, trafen wir in Pamplona unsere Freunde des spanischen Blindenverbandes (ONCE). Nach Fototermin und Stadtführung übernachteten wir und am nächsten Tag ging es nicht mehr so bergig weiter. Wir fuhren durch Kräuterfelder, die nach Gingster und Wildkräutern rochen. Auch auf der Autobahn durften wir in Begleitung der spanischen Polizei fahren. 
Am 4 . Radtag kamen wir müde in Santo Domingo an. Dort besuchten wir die Kathedrale von Logrono, dem Schutzpatron der Blinden. 
Auf der Fahrt nach Burgos, auf unserer 5. Etappe, trafen wir auf ein Tandem-Team, das aus Trier stammte. Sie wurden von uns aufgenommen und begleiteten uns bis zum Ziel. Die 6. Etappe wurde für mich eine Herausforderung, da über 100 Kilometer zu bewältigen waren. Die Fahrt war trotzdem sehr schön, da wir wieder durch tolle Landschaftsgebiete fuhren. Abends in einer Tapas-Bar ließen wir den Tag ausklingen. Auf der Fahrt nach El Burgo wurden wir bei der Ankunft an der familiären Herberge von den Barbesuchern mit Applaus empfangen. 
Am 9. Tag ging es nach der Morgengymnastik weiter nach León - ich durfte heute mit einem Renn-Tandem die Fahrt fortsetzen. Nach ca. 105 Kilometern kamen wir am Cruz de Ferro an, dort legte jeder von uns einen Stein seiner Heimat ab. 
Der letzte Radfahrtag ging mit Regen los und wir konnten die Ankunft in Santiago de Compostela kaum noch abwarten. Auf dem Vorplatz der Kathedrale trafen wir auf viele Pilger. Wir besuchten die Pilgermesse. Unsere Fürbitten wurden von einer Teilnehmerin in Spanisch vorgetragen. "Wir danken dem Heiligen Jakobus, dass wir diese Idee, die bei unserem Besuch beim Heiligen Vater im Jahre 2008 geboren wurde, verwirklichen konnten und dass wir alle hier zusammen angekommen sind - Menschen mit Sehbehinderung und körperlichen Einschränkungen zusammen mit Menschen, die das Glück haben, zu sehen, Menschen aus Deutschland, Spanien und anderen entfernten Ländern.“
An den nächsten zwei Tagen traten wir unsere Heimreise mit dem Bus an und waren erschöpft, aber glücklich sonntagmorgens in Neuhausen auf den Fildern zurück. Es war eine schöne, aber anstrengende Reise, auf der ich viele Leute kennengelernt habe und ich würde diese Reise jederzeit wieder machen."

Für weitere Informationen siehe auch : www.hem-stiftung.de