Arbeitsplatzausstattung

Ausstattung nach Maß: die passende Hilfsmittelausstattung

Seit über zehn Jahren führt das Reha-Fachgeschäft des NIKOSehzentrums im süddeutschen Raum Arbeitsplatzausstattungen für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen durch. Im Laufe der Jahre konnte dabei eine Vielzahl unterschiedlichster, individueller Lösungen umgesetzt werden. Alle mit dem Ziel, betroffenen Menschen den Erhalt oder die Aufnahme eines Arbeitsplatzes zu ermöglichen.

Ein Beispiel für eine erfolgreiche Anpassung des Arbeitsplatzes ist Frau W. aus Bietigheim. Sie arbeitet in einem örtlichen Krankenhaus als Masseurin.
Dort hat sie täglich viele Patientinnen und Patienten, die von ihr in jeweils halbstündigen Anwendungen behandelt werden. Sie arbeitet in einem großen Team mit vielen Kolleginnen und Kollegen.
Der tägliche Arbeitsablauf erfordert neben den physiotherapeutischen Behandlungen die Patientenaufnahme am zentralen Empfangsschalter. Dort müssen die ärztlichen Verordnungen entgegengenommen und ausgelesen werden.
Das Lesen dieser Verordnungen stellt für Frau W. ein großes Problem dar, da sie sehr kleingeschrieben und wenig kontrastreich sind. Aufgrund einer Sehnerv-Schädigung hat sie nur noch einen Sehrest von ca. 10 %.
Die Patiententerminplanung der Abteilung läuft softwaregestützt über ein Programm, das an nur einem Rechner von allen Kollegen bedient wird.
Da dieses Programm keine Möglichkeit der Schriftgrößenanpassung bietet, war Frau W. beim Eintragen und Auslesen der erforderlichen Daten auf die Hilfe der Kollegen angewiesen. In der Hektik der engen Behandlungspläne ist dies auch für die anderen eine weitere zeitliche Belastung.
Um diese Tätigkeiten künftig autonom durchführen zu können, hat sich Frau W. an den örtlichen Integrationsfachdienst gewendet und mit diesem gemeinsam einen Beratungstermin im Reha-Fachgeschäft vereinbart.
In einem ausführlichen Beratungsgespräch im NIKOSehzentrum konnte eine technische Lösung für die bestehende Problematik gefunden werden.
Für die Bedienung der Terminplanungssoftware kommt eine Großschriftsoftware zum Einsatz, die im Hintergrund mitläuft und von Frau W. bei Bedarf hinzugeschaltet werden kann. Da Frau W. sehbehinderungsbedingt bislang keine Erfahrungen am Computer sammeln konnte, setzt sie nun eine Großschrifttastatur ein und wird an mehreren Schulungstagen, die ein Mitarbeiter des NIKOSehzentrums vor Ort am Arbeitsplatz durchführt, in die Grundlagen der PC-Bedienung eingeführt.
Zum Vergrößern der ärztlichen Verordnungen erhält sie ein flexibel einsetzbares Bildschirmlesegerät, das auch unter den beengten Platzverhältnissen des gemeinsam benutzten Arbeitsplatzes einsetzbar ist. Bei diesem System ist die Kamera mit dem Monitor in sehr kompakter Weise platzsparend verbaut.
An diesem Gerät kann Frau W. je nach Vorlagenqualität das Lesegut in Normalfarbe oder in kontraststeigernden Fehlfarben, z.B. invers, in der erforderlichen Vergrößerungsstufe darstellen.
Zum  flexiblen Einsatz in der Physio-Abteilung verwendet sie eine mobile elektronische Lupe. So muss sie nicht erst an den zentralen Arbeitsplatz zurückkehren, sondern kann Informationen direkt vor Ort lesen. Diese akkugestütze elektronische Lupe ist auch in der Lage, vergrößerte Informationen kurzzeitig „einzufrieren“. Sie kann dann zum Beispiel ausgelesene Patientendaten zur weiteren Verwendung an den großen Arbeitsplatz mitnehmen.
Insgesamt wurde so eine passende technische Lösung gefunden, die Frau W. gut in allen Tätigkeiten unterstützt. Sie kann künftig alle anfallenden Aufgaben eigenständig durchführen, ohne auf die ständige Hilfe ihrer Kolleginnen und Kollegen angewiesen zu sein.

Ansgar Andert, NIKOSehzentrum